Mittwoch, 22. Mai 2019

Ankunft in Venedig und Weiterfahrt nach Österreich. Und danach heim.


Die Nacht in unserer Kabine ohne Fenster war für mich sehr gut, habe geschlafen wie ein Baby. Die Fähre wird nicht wie angegeben um 7 Uhr in Venedig ankommen, 10.30 Uhr ist jetzt angesagt. Ob nach griechischer Zeit (-1 Stunde) oder nach normaler mitteleuropäischer Zeit wissen wir nicht.
Beim kurzen Rundgang an Deck sehen wir den britischen Motorradfahrer wieder. Sein rechter Unterschenkel sieht unter der Hose sehr dünn aus…komisch…ich schaue genauer hin. Sein rechtes unteres Bein besteht aus einer Prothese. Das Sprunggelenk der Prothese ist ein richtiges Gelenk mit dem er nach vorn und hinten normal abrollen kann. Am Gang über Deck und Treppe hoch Treppe runter erkennt man keinen Unterschied zwischen den Beinen. Coole Sache, ich finde es sehr spannend wie solche Prothesen immer besser Teile des menschlichen Körpers ersetzen und den Leuten ein fast normales Leben ermöglichen. Und unser Tommy fährt trotz Unterschenkelprothese mit einem großen 250 kg schweren Adventurebike von England ganz alleine nach Griechenland – klasse Geschichte!
Beim Frühstück halten wir uns diesmal etwas zurück, bei der Hinfahrt hatten wir 32€ bezahlt. Diesmal mit nur Omelett und Kaffee liegen wir bei 20€.
Um 10 kommt dann die Durchsage das wir die Zimmerschlüssel an der Rezeption abgeben sollen. Wir packen unser wenig Zeug in die Rolle, ziehen unsere Moppedklamotten an und setzen uns draußen in die Barsessel. Land kommt in Sicht und irgendwann wird die wartende Menge vor dem Fahrstuhl / der Treppen kleiner – das Fahrzeugdeck muss also offen sein. Wir schnappen uns unser Zeug und gehen nach unten. Die Tür zum Deck 5 ist wirklich schon offen, wir gehen um die Ecke und sehen unser Krad schön aufrecht stehend vor uns. Die Spannriemen müssen ab, ritsch ratsch sind sie runter. Dann muss der Kabelbinder der Vorderbremse noch weg, aber mein Messer ist nicht oben am Tankrucksack wo es hingehört. Wir hatten gestern noch einen Apfel geschält und danach habe ich das Messer in die Jeans gesteckt. Die ist jetzt wohl verpackt in der verschnürten Gepäckrolle. Mist, ich habe sonst nix scharfkantiges zur Hand. Direkt vor und baut unser Brite sein Gepäck ans Bike, ich frage ihn ob er ein Messer hat. Er kramt etwas rum und gibt mir ein breites schweizer Taschenmesser mit zig Funktionen (Messer, USB-Stick, Flugzeugträger…). Ich klappe die kleine Klinge raus und kann den Kabelbinder zerschneiden. Jetzt nur noch Rolle und Tankrucksack am Krad befestigen und wir sind eigentlich fertig. Vor uns stehen aber noch Autos mit Anhänger und Camper, die müssen warten bis der komplette vordere Bereich frei ist damit sie wenden können um die Rampe wieder runterzufahren. Dort steht aber alles voller LKWs, so lange wollen wir nicht warten. Wir schieben also unsere Kräder etwas zurück und wenden die Karren. Auf dem Boden sind überall diese Pilze zum Abspannen. Damit hat unser britischer Kollege etwas Probleme beim zurückschieben und ich helfe ihm seine Triumph zurück zu schieben und zu wenden. Dann stehen wir vor der Rampe und müssen noch etwas warten bis der LKW unten wegfahren kann. Als sie frei war Motor an, die Rampe runter und raus aus dem Schiff.
Draußen schwer bewölkter Himmel und keine warmen Temperaturen, Venedig empfängt uns nicht  gerade sehr freundlich. Eine Kontrolle gibt es nicht noch mal, wir fahren nur am interessiert schauenden Hafenbeamten vorbei. Raus aus dem Hafen auf die Straße zurück nach Mestre. Mein Navi kennt die ganzen Straßen nicht, deswegen fahre ich eine Ehrenrunde beim großen Kreisverkehr und bin plötzlich wieder hinter unserem Tommy. Von unseren Schweizer Kollegen hatten wir uns schon auf der Fähre verabschiedet. Kurz nach dem Kreisverkehr hielten noch die 2 aus Garmisch an um auf ihre Camper-Freunde zu warten. Heftiges Winken um Tschau zu sagen war angesagt, obwohl es nicht das letzte Mal war das wir sie sehen.
Die Rückfahrt war auf 2 Wegen möglich, wieder Autobahn vermeiden fast genau nördlich per Landstraße durch die große langweilige Ebene bis zum Felbertauerntunnel, oder die Brenner Autobahn mit kurzem Schwenk nach Westen bevor es nach Norden geht. Die Strecke über den Felbertauern bin ich ja schon x Mal gefahren, die Brenner Autobahn aber noch nie. Bisher ging es immer nur über die alte Brennerstraße. Also mal ein paar Kilometer auf der Autobahn schruben, das Wetter war eh nicht Motorradtauglich, 16° und tiefe, nach Regen aussehende Wolken.
Also auf die Autostrada, zuerst Richtung Westen vorbei an Verona, dann noch Norden Richtung Brenner. Schon mit 120..130 langhin, ich bin froh das mein nächstes Krad ein Tempomat haben wird. Irgendwo mussten wir dann tanken. Ein Kaffee und ein Croissant war auch nötig… Wildes Geschnatter auf Italienisch in der Raststätte – wir freuen uns auf den Herbst, da ist eine Woche Toskana geplant! Als wir wieder zum Krad gehen kommt plötzlich einer der Garmischer Motorradfreunde von der Fahre angefahren. So schnell sieht man sich wieder. Er hat komplett Regensachen drüber gezogen und erzählt von 3° auf dem Brenner. Die Herzdame zieht sich deswegen schnell noch die Regenjacke drüber.
Dann wieder auf die Bahn, viele langweilige Minuten später kommen wir am Brenner an. Hier machen wir nochmal eine Pause, gehen aufs Klo und kaufen eine Vignette für die österreichische Autobahn. 10 Tage für 5,90€, geht eigentlich, wenn ich da an die Schweiz mit ihrer Jahresvignette, und nur der Jahresvignette denke.  
Nach dem Brennerpass kommt dann nochmal eine Mautstation wo wir nochmal 9,60€ bezahlen müssen. In Italien hatten wir schon 26€ gelöhnt, in Österreich nochmal 10€, dazu die Vignette von knapp 6€…beim nächsten Mal fahre ich wieder die alte Brenner Straße. Wenigstens passt das Wetter, oben auf den Brenner 12° und fast kein Regen, auf der österreichischen Seite wurde es dann sehr schnell über 20° warm.
Wir hätten uns jetzt gleich vor Innsbruck ein Hotel suchen können, aber die Hälfte der 800km Heimfahrt von Venedig war noch nicht erreicht, also weiter Kilometer schrubben. An einer Raststätte vor Kufstein machten wir dann eine längere Pause, um zu tanken, was zu Essen und ein Hotel zu buchen. Wir trafen hier ein Nürnberger Pärchen auf einer blauen KTM 1190, sie kamen direkt aus Marokko….sehr interessant, da möchte ich ja auch unbedingt mal hinfahren. Wir erzählten und irgendwann kam die Tankstellendame mal raus und bat mich dann doch mal die Tankrechnung zu zahlen…
Dann Kaffee und Gebäck gekauft und auf dem Tisch draußen Handys und Landkarte ausgebreitet. Gesucht wurde ein Hotel in der Nähe, das geografisch günstig lag (die Strecke die wir heute nach Süden fahren müssen wir morgen wieder zurück fahren). Da es Samstag um 5 war lagen die Preise in Kufstein bei 90€ +, soviel wollten wir dann nicht bezahlen. Also die nächsten Städte an der Autobahn eingegeben, Kiefersfelden hinter Kufstein ist ja schon Deutschland, und gleich dahinter ist schon Rosenheim… In Bad Feilnbach gabs ein schönes Doppelzimmer mit Frühstück für 70€, nur 10 min von der ABahn entfernt – Visakarte rausgeholt und auf die Knöpfe gedrückt. 30 Minuten später kamen wir beim Hotel an. Rezeption war unbesetzt, aber ein Briefumschlag mit Schlüssel lag für uns bereit.
Hotel super, Zimmer super, alles fein. Umziehen, kurz ausruhen und dann nochmal quer durchs Dorf. Im Edeka um die Ecke kauften wir noch etwas Wasser für den morgigen letzten Tag, dann gings in die Wirtschaft die den besten Eindruck machte. Ein dunkles Hefeweizen, eine Spargelcremesuppe, ein Weißbier und ein sehr leckerer Krustenbraten…Bayern ist lecker und das Leben ist schön!
Die Nacht im Hotel war super (endlich vernünftige Decken), das Frühstück war erstklassig, die letzte Übernachtung war der krönende Abschluss einer wunderschönen Tour!
Zu den letzten 400 km Heimfahrt gibt’s nicht viel zu sagen, je näher man der Heimat kommt desto langsamer verrinnt die Zeit. Wenigstens war das Wetter gut!  Ich fuhr eine Autobahnabfahrt vorher ab und wir fuhren die letzten Kilometer nochmal etwas Landstraße.
Dann standen wir in unserem Hof. Der Haustürschlüssel war diesmal schnell zur Hand, und dann waren wir halt wieder daheim. Schon schön hier, aber am liebsten wären wir sofort weiter zum nächsten Abenteuer gefahren. Der kommende Montag ist noch Putz- und Ruhetag, dann geht’s am Dienstag wieder in die Salzmine. Das Geld für den nächsten Urlaub muss verdient werden.
Wehmütige Stimmung bei uns, die große Tour 2019 ist damit auch für uns vorbei!