Mittwoch, 2. September 2015

Schon wieder Nordkap



Die  Tour „Nordkap des kleinen Mannes“ war durch die Tour eines wohlbekannten Kollegen grellend blinkend ins Hirn gestanzt. Letztes Jahr waren wir am echten Nordkap LINK, heuer war die Gegenrichtung Korsika angesagt LINK  – aber die Kleine-Mann-Variante war als kurzes Wochenendabenteuer doch zu verlockend. Kap Arkona auf Rügen!
Überzeugungsarbeit war nicht zu leisten, kurze Absprache (ich bin Samstag früh halb 9 bei dir, dann geht’s weiter gen Norden) reicht aus und unsere Nordkaptour 2015 kann starten.
Diesmal ohne Koffer, deswegen sind Zelt, Isomatte und Schlafsack auf dem Heck
Da ich am Samstag nicht vor 6 aufstehen möchte müssen die ersten 150 km über Autobahn gefahren werden. Interessant, meine 1190 KTM pendelt ohne Koffer aber mit Gepäck auf dem Rücksitz bis 220 nicht…gähn….das Thema ödet mich an!    
Kurzer Einwurf zum aktuellen Thema KTM-1190-Pendeln:  Ich baue demnächst meine riesen Dachbox auf die Dose und beschwere mich dann bitterlich bei Ford wenn die Schüssel damit bei 200 zu wackeln anfängt… Der Tourenfahrer-Schreiberling macht das so! RTFM könnte man rufen, in meinem „M“ steht was von Topspeed 130 bei Kofferanbau. Na sollen sie mal schreiben, für mich immer noch das beste Motorrad was ich je hatte!
Aber auf der Landstraße pendelt eh nix, und auf derselben fuhren wir gen Rügen. Über Bärlin geht’s nur noch gerade aus, Kurven gibt’s nicht mehr. Das dachte ich bisher! Aber TomTom zeigte uns einen ganz anderen Weg zur Waterkant!  Echte Kurven durch Wälder und Felder, ab und zu ging es sogar etwas hoch und runter. Der Weg zur Ostseeküste kann kurvig sein – wieder ein Vorurteil widerlegt! (Reisen ist tödlich für Vorurteile…)
Potsdam, 10 Uhr Samstagmorgen, blauer Himmel und Sonnenschein – was für eine schöne Stadt! Stunden später die Brücke nach Rügen. Warum es neben der neuen auch noch die alte Brücke gibt wissen wir nicht. Wir fahren über die alten Brücke auf die Insel und bewundern während der Fahrt aus den Augenwinkeln den filigran geschwungenen neuen Bau….
Sommer, Samstag, Tourihotspot…der obligatorische Stau wartet nur wenige Kilometer nach befahren der Insel auf uns. Die dreispurige Straße war mit Autos und Bussen auch auf der linken Spur wirksam verstopft.
Während ich noch überlege was zu tun ist brettert Marc an mir vorbei und knallt über die doppelte Sperrlinie auf der Gegenspur an der Dosenschlange vorbei… mein schlechtes Vorbild trägt endlich Früchte. Die fetten Alukoffer blieben ja diesmal zuhause, und bei der schmalen Silhouette stört der Gegenverkehr nicht wirklich.
2 Moppeds, 2 Zelte. 50m von der Ostsee entfernt
Nach 17 Uhr kommen wir in die Nähe der Nordspitze. Bei Glowe finden wir einen Campingplatz direkt am Meer LINK. Ein tätowierter und gepiercter blonder Engel nimmt uns 29€ für 2 Personen und 2 Zelte ab. Den Zeltaufbau haben wir in dem einen Jahr bzw. in der einen Woche nicht vergessen. 
Hinter den Dünen liegt das Meer...
Wellenrauschen
Gleich danach liefen wir die 50m über die Dünen und stürzten uns ins salzige Nass. Eine halbe Stunde im kühlen Wasser bei meterhohen Wellen – allein dafür hat sich die Tour gelohnt.
Ausgepowert ging es zurück zum Zelt. Thomas, mein alter Tarnfleck-Kamerad, verbrachte nur 3 km entfernt seinen Sommerurlaub – die Chance muss man nutzen. Lecker Bierchen und lustiges Erzählen gab es. Dann war Fischessen angesagt. Die Flunder war aber nicht so dolle, zum Glück machte der Salat satt.
Die Abendstunden verbrachten wir dann mit einer Flasche schottischem Nektar am Ostseestrand. Wellenrauschen, Mond und Sternenlicht…geil.
Abends am Strand
Die Nacht im Zelt war gut, kein Lärm auf dem dicht bepackten Campingplatz, nur wärmer war es als gedacht. Schon nach kurzer Zeit waren die Zelte weit geöffnet.
Am nächsten Morgen stand das eigentliche Ziel der Tour auf dem Plan, Kap Arkona. Nach einem angemessenen Frühstück (Pott Kaffee und Schoko-Croissant) ging es ohne Gepäck zum Kap. Die Verbotsschilder übersahen wir versehentlich und fuhren vor bis zu den Leuchttürmen.
Was besonderes ist der Ort dort oben nicht, aber da wir nun mal da waren hielten wir an, knipsten ein paar Fotos und starrten auf das rauschende Meer.
Auffahrt zum Kap, leider nur Arkona
 
 
Auch hier Wellenrauschen. Ich liebe das Meer!
Steilküste, die Verbotsschilder mit Totenkopf haben wir ignoriert
Peinliche Touri-Spiele, aber keiner hat uns gesehen
Seltenes Fahrbild
Abgeerntete Strohfelder, erstaunlich rutschig
Nach ein paar Metern schlingernd über ein abgeerntetes Getreidefeld ging es zurück zum Zeltplatz. Zelt abbauen, Krempel verpacken und zurück auf den Weg über die Landstraße. Dieser Weg endete nach ein paar Kilometer wieder im obligatorischen Stau. Diesmal war Stau in beiden Richtungen, das Vorbeifahren an der Autoschlange bei gleichzeitigem Gegenverkehr war auf der engen Landstraße recht interessant und vertrieb todsicher die Langeweile. Zum Glück war kein deutscher Oberlehrer in der Nähe.
Wieder gen Süden auf kurviger Strecke. Der Vorteil der schmalen Landstraßen; kaum Verkehr und 99,9% kein Blitzer, bei 5 Fahrzeugen pro Stunde lohnt sich keine mobile Radarfalle.
Mittag fiel aus, dafür war pompöses Kaffeetrinken angesagt. In Neustrelitz am übergroßen gepflasterten Kreisverkehr sahen wir ein gut besuchtes Kaffee.  Pro Mann ein Kaffee und zwei Stück Kuchen. Der Kaffee schmeckte, aber der Kuchen war aufgetauter Industriekuchen vom Fließband…ein hoch auf das heimische Bäckerhandwerk! Kulinarisch war die Tour ein Reinfall, nur das Bier bei Thomas und der Whisky am Strand haben geschmeckt.
Pause zwischendurch
Kurz vor 20 Uhr kamen wir in Wittenberg an. Leicht angeschlagen war ich schon, aber die neue Sitzbank ließ es zu auch das letzte Stück alleine auf der Landstraße abzureißen. Nur das verspiegelte Visier wurde ausgewechselt, die Sonne stand kurz vorm Untergang.
Auf der letzten Etappe hielt ich dreimal an da meine Kette Geräusche machte ( erstes Mal um den Scottoiler voll aufzudrehen, zweites Mal um festzustellen der der Öler nicht ölt und das dritte Mal um an der Tanke in Leipzig ein Kettenspray zu kaufen um die Kette einzusprühen…).
Die Fahrt bei Nacht war wie üblich mies, auch wenn das Licht der KTM um Welten besser ist als das der Mz. Ich habe mir wieder ein zügig fahrendes Auto ausgesucht und bin einfach mit 100m Abstand hinterher gefahren.
22.30 Uhr war ich nach 1.300 km (davon 150 km Autobahn) in zwei Tagen wieder zuhause.

Fazit der Rügen-Tour: Auch im Norden gibt es Kurven, Rügen ist eine Reise wert, eine 2-Tagestour ist ein sehr intensives Erlebnis und mein Kettenöler taugt nix.

Das schwarze Teil unter dem Motor ist der Motorschutz. Wie gesagt recht dezent
Zuhause angekommen steht die Dolo-Fahrt direkt bevor, am Sonntag geht’s los. Als vorletzte geplante Verbesserung der KTM (Stand heute) habe ich mir einen Motorschutz gekauft. Der KTM-Schutz und das Teil von Touratech gefallen mir zwar besser, aber das von SW Motech LINK passt ohne Bastelei und war leicht gebraucht recht günstig erhältlich. Der Anbau war einfach und das Motorgeräusch wird nicht wesentlich lauter. Das Aussehen ist recht dezent. Mal schaun ob ich ihn irgendwann mal ersetzte durch ein schöneres Teil.
Gerne wieder 2016

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