Irgendwann im dunklen Winter hatte ich die Idee das
KTM-Werk zu besuchen. Auslöser war wohl unser Besuch in der Dresdner Gläsernen
Manufaktur während des MZ-Jahresendtreffens. Ein Ausflug in ein Motorradwerk
kam mir danach in den Sinn, aber MZ produziert zurzeit nicht, BMW ist erst in
30 Jahren dran, bleibt nur KTM übrig. Marc samt KTM-begeistertem Nachwuchs war so
schnell überzeugt wie mein Kurzer, und die Halbschweizer Dauerfahrer Lippi und
Werner hatten auch Interesse. Unter LINK
gibts die zugehörige Seite. Wer sich anmelden will muss eine Email an factorytour@ktm.com schicken und erhält
dann eine Terminliste und die nötigen Randdaten.
Kurz vor Ostern war es dann soweit, per Dosenexpress
fuhren wir die 4 bzw. 5,5 Stunden ins gebuchte Hotel. Die standesgemäße Anreise
mit dem Krad war wegen der Entfernung und den unerprobten Beifahrern leider
nicht möglich. Werner und Lippi kamen auch auf 4 Rädern zum Hotel, aber selbstverständlich
verteilt auf 2 Fahrzeuge.
Ein Abend in Österreich, klar was es zum Abendbrot geben
sollte: Wiener Schnitzel (auch wenn wir nur
15 km von der deutschen Grenze entfernt waren). Bei der Unterbringung der 6
Leute in meinem Ford Focus für die Fahrt zur Gaststätte waren wir wiedermal
leicht kreativ, das interessiert in der abgelegenen Gegend aber keine Sau.
Am nächsten Mittag dann die Werksbesichtigung.
Mattighofen ist, vorsichtig ausgedrückt, keine Weltstadt. Am Stadtrand sind die
2 großen Gebäude von KTM. Schon recht groß, aber mit Autowerken ala VW Mosel
oder Audi natürlich nicht zu vergleichen.
Auf 4 Bänder a ca. 50m Länge werden die Moppeds montiert.
Alle Modelle können gebaut werden, beim ersten Band waren gerade Husqvarna LINK an der Reihe.
HIER gibt’s einen kleinen Einblick, wir durften natürlich
nicht fotografieren.
Werners 1000er MZ, die Glasvitrinen dahinter werden bald mit KTM-Motorrädern bestückt |
Die Besichtigung des Motorenwerkes war eigentlich nicht vorgesehen, aber durch einen Zufall konnten wir auch das paar Kilometer entfernte Werk besichtigen. Alle Motoren werden im Motorenwerk in einem Prüfstand getestet und durchlaufen einen Prüfzyklus in einem Motorenprüfstand, Öl wird dann wieder abgelassen und der Motor dann zur Montage 2 km weiter ins Hauptwerk gebracht.
Wir konnten uns natürlich nur Montage und Motorenwerk
anschauen, aber trotzdem hat sich der Besuch gelohnt.
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Wunnies neue AT an der Rappbodetalsperre |
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Vor dem Wieland-Denkmal in Weimar, beim Italiener dahinter gabs ne Latte und Tiramisu |
Am nächsten Wochenende gab es dann eine kleine Tour mit Wunni (mit neuer
Africa Twin) und Marc durch den Harz. Schön war es, nur die Landschaft
war etwas fad, Korsika und Norwegen verändern eindeutig die eigenen
Ansprüche...
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Vorm Zeisswerk in Jena, von Wunni habe ich den Dacre-Aufkleber |
Zwei Wochen später war die Honda Roadshow angesagt. Der
Jenaer Honda Händler lud ein zu Würstchen und Bier, Motorrad anschauen und
Probefahren…und ich bin natürlich dabei!
Als alter Hondafan LINK werde ich mein nächstes Motorrad dort kaufen,
oder das übernächste….Honda hat es seinen Fans in letzter Zeit echt schwer
gemacht! Sackschwere Moppeds mit Minderleistung
zu Top-Preisen, keine Ahnung ob noch der Wille da war in Europe noch Geld
verdienen zu wollen… Aber dann wurde der Nachfolger der (propagierten) Legende
African Twin angekündigt, und alles stand Kopf. Diverse Zahlen wurden vorab
verkündet – mit den realen Zahlen 95 Ps bei 230 kg erfolgte dann doch recht
schmerzhaft die Erdung zur Realität. Meine KTM hatte 2 Jahre früher 150 Ps bei
230 kg fahrfertig aufgerufen – da wäre bei Honda vom Gewicht her noch etwas
gegangen. Und zur Leistung –ob man es braucht? Aber wenn ich bei der KTM wegen
Weltuntergangswetter in den Regenmodus schalte habe ich immer noch 5 Ps mehr
als die Honda. Und ja, den Unterschied zwischen 100 und 150 Ps merkt man
deutlich. Und kommt mir jetzt nicht mit irgendwelchen Geländefahrten – macht
doch eh kaum einer mit den Dickschiffen!
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Die eingefahrene KTM, links daneben die neue Honda Africa Twin |
Die Probefahrt der African Twin: Sitzposition wie auf der Fireblade, gefühlt die Fersen an
den Ellenbogen, Fußrasten sehr hoch und Sitz sehr tief – der direkte Umstieg
von meiner umgebauten ADV ist wohl nicht fair. Jaja, ich bin mit 2m zu groß für
jedes Mopped…!
Meine Meinung zur AT nach den 20 Minuten: Schaltung
super, Fahrwerk super, Ablesbarkeit der Instrumente wirklich nicht so dolle… und
digitaler Drehzahlmesser mit Drehzahlband ist doof. Leistungsunterschied ist
stark spürbar, jaja 95 Ps reichen für die Landstraße… aber der Unterschied zu
meinen 150 KTM-Ps ist deutlich, sehr
deutlich! Könnte ich mit der African Twin glücklich werden? Nach ergonomischer
Anpassung wie bei der KTM (Fußrasten,
Sitz, Lenker) sicher! Ist sie besser als meine 1190iger KTM – mit Sicherheit
nicht! Deswegen fahr ich die Kante jetzt bis zur 100 tkm-Grenze und schaue dann
mal was es so an schönen Töchtern anderer Mütter gibt.
Die Geschichten vom Honda-Schrauber ( KTM = Motorrevision
nach 30 tkm) stufe ich derweil als das übliche Gequatsche ein. Die Glanztage
von Honda sind schon lange vorbei, und der Unterschied zu anderen Produzenten
liegt nur noch in der eigenen Einbildung. Eigene KTM-Erfahrung (43 tkm) und
auch der 50 tkm-Dauertest von MOTORRAD sprechen eine andere Sprache. [Aber die
KTM-Zusatzgarantie für 2 weitere Jahre habe ich trotzdem abgeschlossen ;-) ]
Am Mittwoch gehe ich nochmal bis Mittag in die Salzmine,
danach ist für viele Kilometer Motorradfahren angesagt. Mittwochabend bin ich
in Freiburg in Süddeutschland, danach geht es weiter Richtung Südwesten, und
dann immer Richtung Süden… Mal sehen wie
weit ich komme! Nach 2014 mit dem nördlichsten Punkt von Europa ist der südlichste
Teil Europas interessant ….